Abfallwirtschaft

Abfallwirtschaft im Detailmistrat abfallwirtschaft teile s

Die Abfallwirtschaft kann man in drei Teilbereiche aufgliedern – Abfallrecht, Entsorgungstechnik und Stoffkreislauf – eigentlich sehr unterschiedliche Sparten. Für die optimale Abfallentsorgung bedarf es Spezialisten aus Verfahrenstechnik, Maschinenbau und (Umwelt)recht. Wachsenden Abfallmengen, die absehbare Verknappung von Ressourcen und die daraus resultierenden ökologischen und ökonomischen Auswirkungen waren ausschlaggebend für eine konkretere Gesetzgebung in der Abfallwirtschaft.

Ohne umfangreicher Regulierungen und laufender Gesetzesnovellen, würde die Sammlung und Behandlung von Abfällen unsere Umwelt stärker beeinträchtigen – beginnend bei der Verunreinigung von Böden und Grundwasser bis zur Luftverschmutzung. Spätestens im Nahrungskreislauf erreichen die Beeinträchtigungen wieder den Menschen. Leider sind diese schon in Form von Schwermetallen und Mikroplastik kaum abzuwenden. Diese resultieren aber nicht zwingend aus unzureichendem Entsorgungs- und Ressourcenmanagement und man muss die Entstehung getrennt von Vorkommen und Zusammensetzung genauer betrachten.

Abfallwirtschaft in Österreich

Das im Jahr 1990 erlassene und in den folgenden Jahren novellierte Abfallwirtschaftsgesetz in Österreich ist ein umfassendes Regelwerk, welches auch die Regierung in die Pflicht nimmt. Dadurch ist das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus verpflichtet, spätestens alle sieben Jahre einen Bericht über die Auswirkungen, Veränderungen und daraus abgeleiteter Maßnahmen in der Abfallwirtschaft zu veröffentlichen. Die jüngste Version des sogenannten Bundesabfallwirtschaftsplans stammt aus dem Jahr 2017 und wurde im Frühjahr 2018 veröffentlicht. Dieses Weißbuch der Abfallwirtschaft beinhaltet sehr viele abfallrelevante Themen und das mag auch der Grund sein, warum die Erhebung der Kennzahlen sehr aufwendig ist und diese zum Großteil aus dem Jahr 2015 resultieren. 

Das Abfallaufkommen in Österreich betrug im Jahr 2015 rund 60 Millionen Tonnen, von denen der Großteil aus dem Bauwesen entsprungen ist. Von österreichischen Haushalten und ähnlichen Einrichtungen stammen ca. 4,2 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle – das entspricht ungefähr dem Gewicht von 140! Eiffeltürmen. Während man in Vorarlberg von durchschnittlich 369 kg pro Bürger ausgegangen ist, waren es in der Bundeshauptstadt 488 kg. Faktoren wie die Umsetzung des Sammelsystems, Zweitwohnsitze und Tourismus prägen die erfassten Mengen. Die Kennzahlen aus dem Jahr 2015 weisen somit ein durchschnittliches Jahresaufkommen von 482 kg pro Einwohner in Österreich aus.

Ziele der Abfallwirtschaft mistrat ziele der abfallwirtschaft

Abfälle von heute sind Ressourcen von morgen und im Sinne des Vorsorgeprinzips und der Nachhaltigkeit wurden die Ziele der Abfallwirtschaft gesetzlich wie folgt verankert:


• Schädliche Einwirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen sind so gering wie möglich zu halten.
• Der Ausstoß von Luftschadstoffen und klimarelevanten Gasen ist so niedrig wie möglich zu halten.
• Das Schonen von Ressourcen wie Rohstoffe, Energie, Landschaft, Flächen und Wasser.
• Bei der stofflichen Verwertung dürfen Abfälle oder die aus ihnen gewonnenen Stoffe kein höheres Gefährdungspotential aufweisen als vergleichbare Primärrohstoffe oder Produkte aus Primärrohstoffen.
• Es dürfen nur solche Abfälle zurückbleiben, deren Ablagerung keine Gefährdung für nachfolgende Generationen darstellen.


Doch nach welchen Prioritäten ist der Umgang mit Abfällen geordnet?

Abfallhierarchie

Für eine zusätzlich Ordnung für den Umgang von Abfällen dient die fünfstufige Abfallhierarchie. Diese muss grundlegend berücksichtigt werden und ist ebenso im Abfallwirtschaftsgesetz festgelegt.

  1. Zuerst steht die Vermeidung von Abfällen, denn nur der Nichtabfall ist der beste Abfall. Das lässt sich aber in der Realität nicht so leicht umsetzen und verlangt nach weiteren Eckpfeilern.

  2. Gegenstände und Produkte, die ihre Funktionstüchtigkeit verloren haben oder in ihrer ursprünglichen Verwendbarkeit eingeschränkt sind, sollen durch die Aufbereitung zur Wiederverwendung aufgewertet werden. Darunter fallen zum Beispiel defekte Elektrogeräte, die durch Reparatur wieder in Stand gesetzt und wieder verwendet werden können.

  3. Ein sehr prominenter Punkt der Abfallhierarchie ist die stoffliche Verwertung, besser bekannt als Recycling. Dieser Schritt beinhaltet sämtliche Abläufe, mit denen ein Stoff nicht zwingend wieder die gleiche Verwendung findet, aber zum Beispiel durch Reinigung, Brechen (Gestein, Beton), Schmelzen (Metalle), Granulieren (Kunststoffe) in einem anderen Produkt als Ersatzrohstoff (Sekundärrohstoff) eingesetzt werden kann. Leider sind viele Materialeigenschaften (Aussehen, Hygiene, Stabilität) endlich und dadurch ergeben sich Einschränkungen bei den Einsatzgebieten.

  4. Die Abfalleigenschaften sind auch für die sonstige Verwertung (energetische Verwertung) ausschlaggebend. Bei der Sammlung gemischter Siedlungsabfälle (ugs. Restmüll) z.B. mittels Umleerbehälter treten vermehrt unangenehme Eigenschaften wie Geruch, Keime und Verunreinigungen auf. Diese Abfälle müssen ebenfalls aufbereitet werden, bevor sie als Ersatzbrennstoff zur Geltung kommen. Positiver Nebeneffekt durch diese Vorbehandlung sind weiters Gewinnung von Wertstoffen und Abtrennung von inertem (reaktionsarmen) Material. Einige Problemstoffe oder gefährliche Abfälle werden jedoch ohne vorherige Behandlung verbrannt, um Mensch, Tier und Umwelt nicht zusätzlich zu belasten. Hierfür werden die Abfälle meistens in speziellen Behältern gesammelt, um die Handhabung und Deklaration zu vereinfachen.

  5. Als letzte Stufe dient die Beseitigung (Deponierung), um Abfälle oder Rückstände der Abfallbehandlung (möglichst) umweltverträglich zu lagern. Entscheidend für Sammelort und Sammelart ist die geringstmögliche Reaktionsfähigkeit auf die Umwelt. Durch das geordnete Deponieren ist es möglich, dass Abfälle gezielt lokalisiert und durch die Anwendung von zukünftigen Technologien, aufbereitet werden können.

Abfall Definitionmistrat abfall s

Im österreichischen Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) sind zwei grundlegende Abfallbegrifflichkeiten verankert. Der subjektive Abfallbegriff und der objektive Abfallbegriff:

Abfälle sind bewegliche Sachen, deren sich der Besitzer entledigen will oder entledigt hat
ODER
deren Sammlung, Lagerung, Beförderung und Behandlung als Abfall erforderlich ist, um die öffentlichen Interessen nicht zu beeinträchtigen.

Natürlich wäre eine strikte Abgrenzung unter diesen Definitionen nicht immer zielführend – zum Beispiel wären dann alle alten Fahrzeuge, obwohl diese einen historischen Wert haben, dem Abfallbegriff zuzuordnen. Auch deswegen gibt es auch Ausnahmen bzw. Abgrenzungen und sogar die Definition eines sogenannten Abfallendes, welche im AWG verankert ist.

Die Ausnahmen vom Abfallwirtschaftsgesetz betreffen zum Beispiel Abwässer, einschließlich sonstiger Wässer, die im Wasserrechtsgesetz geregelt sind, radioaktive Stoffe (Strahlenschutzgesetz) oder Sprengstoffabfälle (Sprengmittelgesetz).

Allgemeine Pflichten von Abfallbesitzern

Jeder Abfallbesitzer unterliegt Pflichten, wenn man nicht zu einer entsprechenden Behandlung von Abfällen berechtigt oder imstande ist. Als Abfallbesitzer trägt man die Verantwortung, daß man die Abfälle einem berechtigen Abfallsammler oder -behandler übergibt und die umweltgerechte Verwertung und Beseitigung explizit beauftragt. Suche nach registrierten Abfallsammler, -behandler oder Entsorgungseinrichtungen im Zentralen Anlagen Register hier.


Sehr oft wir davon ausgegangen, daß die Entsorgung durch kommunale Müllabfuhr oder privaten Entsorgungsbetrieb von dieser Verantwortung entbindet. Für den Haushaltsbereich kein Problem, aber für gewerbliche Abfallbesitzer hat es einen anderen Stellenwert. Wer nämlich Abfälle nicht gesetzeskonform übergibt, bleibt bis zum Ende der Verwertungskette oder Beseitigung seiner Abfälle als Eigentümer haftbar.
Personen die allenfalls Abfälle an einen nicht berechtigten Sammler übergeben (Sammelbrigaden im ländlichen Bereich), begehen ebenfalls eine Gesetzesübertretung. Natürlich wiegt das soziale Verständnis für diese Handlung, jedoch sollte man sich vor Augen halten, daß unserer Wirtschaft eingeplante Rohstoffe entgehen.

Auswirkung der illegalen Abfallverbringung

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 250.000 PKW aus dem Bestand ausgeschieden. Lediglich rund 48.000 Altfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von rd. 44.000 t wurden in Österreich einer Behandlung zugeführt. Der Großteil wurde als Gebrauchtfahrzeuge aus Österreich verbracht. Rohstoffe von 200.000 Fahrzeugen waren somit der heimischen Wirtschaft vorenthalten – damit ist die Masse der in Österreich behandelten Altfahrzeuge gegenüber 2009 um 48 % zurückgegangen. Quelle: BAWPL 2017

Abfallrelevante Verordnungenmistrat abfallrecht s

Durch die Vielzahl an verschiedenen Abfällen, verweist das Abfallwirtschaftsgesetz auf weitere Verordnungen, welche den Umgang im Detail festlegen. Zum Beispiel wurden in Österreich durch die Deponieverordnung Rahmenbedingungen geschaffen, um die ökologischen Auswirkungen drastisch zu reduzieren. Die Verordnung ist seit 2004 in Kraft und besagt unter anderem, daß lediglich reaktionsarme, also vorbehandelte Abfälle deponiert werden dürfen. Weiters ist darin geregelt wie die bauliche Infrastruktur von Deponien beschaffen sein muss um den Austritt von Sickerwasser und Deponiegasen abzufangen um diese gesetzeskonform zu behandeln können.

Eine Zusammenfassung pro Verordnung wäre sehr umfangreich und deswegen möchte ich hier lediglich ein paar Verweise anführen:
Somit befasst sich die Abfallbehandlungspflichtgenverordnung mit den Inhalten der Sammlung und Behandlung von verschiedenen Abfällen, Verpackungs- und Verpackungsabgrenzungsverordnungen mit Verpackungen und die Elektroaltgeräteverordnung mit sämtlichen elektrischen und elektronischen Geräten als Abfall. Übersicht zu abfallrelevanten Gesetzen und Verordnungen in Österreich.

 

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